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Document Details :

Title: Beobachtungen zur Angelologie der Sabbatopferlieder im Spiegel ihrer theologiegeschichtlichen Voraussetzungen
Author(s): GZELLA, H.
Journal: Ephemerides Theologicae Lovanienses
Volume: 78    Issue: 4   Date: Dec. 2002   
Pages: 468-481
DOI: 10.2143/ETL.78.4.601

Abstract :
Bei dem Qumran-Text Shirot ‘Olat ha-Shabbat (»Sabbatopferlieder«, »Songs of the Sabbath Sacrifice« = ShirShabb), der in acht fragmentarischen, sich aber z.T. überlappenden Manuskripten der Qumran-Höhle 4 (4Q400-407), einem der Höhle 11 (11Q17 = 11QShirShabb) und einem aus Masada erhalten ist, handelt es sich, wie die offenbar größtenteils akzeptierte Rekonstruktion CAROL NEWSOMs zeigt, um 13 hymnische Lieder. Diese entsprechen möglicherweise den 13 Sabbaten eines Zeitraums von drei Monaten innerhalb des Sonnenkalenders mit 364 Tagen und beschreiben präzise die liturgischen Handlungen, nicht aber die tatsächlich gesprochenen Worte (die vielleicht als bekannt vorausgesetzt wurden?), einer aus Engeln bestehenden Priesterschaft. Die komplexe Struktur ist wohldurchkomponiert und gipfelt mit dem siebten Sabbat. Wegen einer augenscheinlichen Nähe zu anderen Schriften der Qumran-Gemeinschaft (immer vorausgesetzt, es hat sie tatsächlich gegeben) bestehen prinzipiell berechtigte Gründe für die Annahme, daß es sich hierbei ebenfalls um einen Eigentext der Gruppe handelt, auch wenn das Masada-Fragment dieses Textes (Mas ShirShabb, vermutlich um 50 n.Chr. geschrieben) anzeigt, daß es noch in späterer Zeit auch außerhalb des Zentrums Kopien gegeben hat und man ShirShabb somit eine gewisse Breitenwirkung zuschreiben kann6. Oder sollte es sich tatsächlich nicht um einen Qumran-spezifischen Text handeln, sondern um ein Stück aus weiteren priesterlichen Kreisen? Hier soll nun, anknüpfend an die in jedem Fall erwiesene zeitliche und räumliche Verbreitung des Texts, der Versuch unternommen werden, ihn auch in ein weiteres inhaltliches Panorama zu stellen und zu diesem Zweck die Angelologie von ShirShabb mit einigen charakteristischen Tendenzen frühjüdischer Theologie im Rahmen des Verhältnisses von göttlicher Transzendenz und gleichzeitiger geschichtlicher Wirkmächtigkeit zu vergleichen und dabei eigene inhaltliche Schwerpunkte dieses Dokuments aufzuzeigen. Damit läßt sich vielleicht ein weiterer Mosaikstein für das Gesamtbild der Rezeption und Anwendung interpretatorischer Voraussetzungen und Methoden, die auch in anderen Zeugnissen des Frühjudentums (etwa in der Septuaginta oder dem Daniel-buch) faßbar werden, gewinnen. Unabhängig davon, ob ShirShabb letztendlich das Produkt einer Qumran-Gemeinschaft ist oder nicht, finden sich in diesem Text Spuren der theologischen Prägekräfte einer ganzen Epoche.

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